Leuchtende Nachtwolken - NLC - Mitteleuropa - Noctilucent Clouds - Chronik - 2025 - D/A/CH

Leuchtende Nachtwolken 2025

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Leuchtende Nachtwolken in Mitteleuropa 2025

Mit 41 NLC-Nächten (Übersichtstabelle) lag 2025 auf dem Niveau der beiden Vorjahre. Quantitativ gehörte die Saison sogar zu den besten, mit einem Anteil heller Displays von 29%, was 12 Nächten entspricht. Demgegenüber stehen aber auch 19 Nächte (46%), in denen NLCs nur fotografisch oder allenfalls schwach visuell in Erscheinung traten oder ausschließlich an automatisch laufenden (Web)cams nachgewiesen werden konnten. Mit 83 Tagen (27.05. - 17.08.2024) gehörte die Saison in der D/A/CH-Region zu den längsten überhaupt. OSWIN empfing lediglich an 6 Abenden späte oder sehr späte Echos aus der Mesosphäre. Diese konzentrierten sich genau wie die kräftigeren Echos weitgehend auf die Kernsaison zwischen etwa Mitte Juni und Mitte Juli. Der Anteil der Nächte, in denen NLCs südlich des 50. Breitengrades nachweisbar waren, betrug vergleichbar den Vorjahren 37%.

Während der Saison waren nie mehr als 4 aufeinanderfolgende NLC-Nächte zu verzeichnen, woraus zahlreiche Pausen mit einer Läge von 1 bis 4 Nächten im Geschehen resultierten.
Die ersten Wochen der Saison brachten neben einer Reihe von unscheinbaren Displays in der Nacht 02./03.06.2025 recht beachtliche Leuchtende Nachtwolken, welche von schwachem Polarlicht begleitet wurden. Von Mitte Juni bis Ende Juli traten dann immer NLCs der Helligkeitsstufen 4 und 5 in Erscheinung, so am 17./18.06.2025, am 02./03.07.2025, am 03./04.07.2025, am 07./08.07.2025, am 09./10.07.2025, am 19./20.07.2025 (eindrucksvolle azimutale Ausdehnung), am 23./24.07.2025, am 28./29.07.2025 und am 29./30.07.2025. Höhepunkte der Saison waren wohl die weithin beobachteten Displays der aufeinander folgenden Nächte 28./29.06.2025 und 29./30.06.2025, welche jeweils die Helligkeit 5 erreichten. Sehr viel Aufmerksamkeit fanden auch die etwas lichtschwächeren (Helligkeit 4), dafür aber teils bis in den Zenit reichenden NLCs der Nacht 23./24.06.2025. Die letzte Saisonphase brachte Anfang August noch zweimal sehr lichtschwache Displays. Damit schien die Saison für die D/A/CH-Region beendet, zumal nur noch einmal - am 10.08.2025 - sehr schwache Echos an OSWIN zu verzeichnen waren. Umso überraschender kam der Nachweis von NLCs an diversen Webcams entlang der deutschen Küsten am Morgen des 17.08.2025. Dies war nicht nur die bis dato zweitspäteste Beobachtung Leuchtender Nachtwolken im deutschsprachigen Raum, sondern auch die 1000. NLC-Nacht seit Beginn der AKM-Beobachtungen im Jahr 1991. Erwähnt seien abschließend noch die Nächte 28./29.05.2025, 12./13.06.2025, und 25./26.06.2025, in denen jeweils NLCs zusammen mit sehr lichtschwachen Polarlichtern auftraten, sowie der 13./14.07.2025, welcher von der Borhersage bis zur Auswertung im AKM-Forum mustergültig dokumentiert wurde (Detaillierte Darstellung).

Die meisten NLC-Nachweise (34) verbuchte wie gewohnt dank seines Überwachungssystems mit mehreren über Nacht laufenden Cams Olaf Squarra (Rostock). Andere Beobachter, welche auf zweistellige Sichtungszahlen kamen, arbeiteten ebenfalls zumindest teilweise mit Kamera-Unterstützung (Thorsten Gaulke, Geseke; Jørgen K, Lübecke; Carl Herzog, Idstein; Wilfried Bongartz, Buschhoven) oder profitierten von ihrem nördlich gelegenen Beobachtungsort (Marcel Becker, Hamburg). Während genaue Angaben zu Helligkeit, Ausdehnung und Horizonthöhe fast ausschließlich im AKM-Forum und auf NLCNET von spezialisierten Beobachtern gegeben wurden, fanden sich gleichwohl insbesondere auf Facebook zahllose eindrucksvolle Fotos.
Öffentliche Webcams lieferten wie jeden Sommer wertvolle Daten über die südliche Sichtbarkeitsgrenze von NLC-Displays. In 21 der 41 Nächte kam der südlichste Nachweis von Webcams im Alpenraum, im Sauerland und anderen Mittelgebirgen oder sogar in Nordfriesland. Darunter waren 4 Nächte, in denen Leuchtende Nachtwolken ausschließlich durch solche eigentlich nicht zu ihrer Beobachtung vorgesehenen Geräte nachgewiesen wurden. In 11 weiteren Fällen brachten die automatisch über Nacht zur gezielten NLC-Erfassung laufenden Kameras der weiter oben bereits genannten Protagonisten den südlichsten Datenpunkt. Somit wurde in 78% der Nächte die Südgrenze der Sichtbarkeit durch automatische Kameras bestimmt. Betrachtet man nur die 15 Nächte, in denen NLCs südlich des 50. Breitengrades nachgewiesen wurden, so lieferten Webcams in 12 Fällen (80%) den südlichsten Datenpunkt.

Global gesehen verlief der NLC-Sommer 2025 recht durchschnittlich. Sichtungen südlich des 45. Breitengrades hatten Seltenheitswert (3 Nächte - 09./10.07.2025, 10./11.07.2025 und 02./03.08.2025); südlich des 40. Breitengrads erfolgten gar keine. Mit 92 Tagen (davon 81 mit NLC-Nachweisen) fiel die weltweite Saison noch merklich länger aus als die mitteleuropäische. Lag der Saisonbeginn (25.05.2025) im Bereich des Mittelwerts, so war das Saisonende (25.08.2025) eines der spätesten seit 1991.

- Erstes Echo an SOUSY: 14.05.2025
- Erstes Echo an MAARSY: 14.05.2025
- Erstes Echo an OSWIN: 25.05.2025
- Erster Nachweis am Boden: 25.05.2025, 08:07 UT (=25.05.2025, 00:07 Ortszeit) an einer automatischen Webcam in Alaska

- Letztes Echo an OSWIN: 10.08.2025
- Letzter Nachweis am Boden: 25.08.2025, 10:54 UT (= 25.08.2025, 02:54 Ortszeit) an einer automatischen Webcam in Red Dog (Alaska)
- Letztes Echo an MAARSY: 27.08.2025
- Letztes Echo an SOUSY: 27.08.2025

Im AKM-Forum wurde wie üblich neben den Threads zu den einzelnen NLC-Nächten (in der Übersichtstabelle verlinkt) ein über die gesamte Saison aktives Thema zu den OSWIN-Echos und anderen Indikatoren der NLC-Aktivität eröffnet. Hier wurden auch internationale Meldungen und Webcam-Funde aus den in der D/A/CH-Region NLC-freien Nächten gepostet. Zum vorangegangenen südlichen NLC-Sommer 2024/25 gab es einen Saison-Thread, der sich mit Sichtungen an Webcams beschäftigte. Eine Premiere stellten die Beobachtungen von NLCs von Bord eines Kreuzfahrt-Schiffs im Südatlantik (12./13.01.2025 und 16./17.01.2025) durch AKM-Mitglieder dar.
Ferner wurden Verwechslungen von NLCs mit troposphärischem Gewölk und Kontrasteffekten (weitere Beispiele: 1, 2) thematisiert, während sich ein weiterer Verdachtsfall nicht wirklich klären ließ.
Weitere Themen beschäftigten sich mit der Entdeckung der Leuchtenden Nachtwolken 140 Jahre zuvor, mit NLC-Beobachtungen in der 2. Maidekade und mit Fallstreifen-Strukturen an NLCs. Ferner wurde der Einfluss eines leuchtstarken Displays auf die Himmelshelligkeit eindrucksvoll dokumentiert.
Sowohl die Tagesschau als auch Wetter.com aber auch das Planetarium Hamburg beschäftigten sich routinemäßig mit Leuchtenden Nachtwolken, während Spaceweather.com eine Begründung für das Auftreten heller NLCs im hohen Norden noch spät im August lieferte. Die Royal Astronomical Society of Canada veröffentlichte einen Vortrag des bekannten kanadischen NLC-Spezialisten Mark Zalcik.

Auch 2025 dominierten vor allem auf Social Media-Plattformen wie Facebook oder Youtube Einzelaufnahmen und Zeitraffer von Leuchtenden Nachtwolken, wobei die Qualitätsansprüche wie gewohnt sehr uneinheitlich ausfielen (Playlist auf Youtube). Erwähnt seien - neben den beiden hier auf der Seite eingebetteten Beiträgen - Zeitraffer aus Schweden, aus Litauen, aus Lettland sowie aus Deutschland. Aus der großen Zahl ansprechender bis beeindruckender Fotos seien Beispiele aus Estland, aus Schweden, aus Schottland und von der Nordsee genannt.

   

Leuchtende Nachtwolken in der Nacht 13./14.07.2025

Auch wenn "große" Displays ausblieben, verwöhnte die Saison 2025 die Beobachter in zahlreichen Nächten mit beeindruckenden Leuchtenden Nachtwolken. Die hellsten NLCs traten in den Nächten 28./29.06.2025 und 29./30.06.2025 auf. Die Nächte 23./24.06.2025 und 19./20.07.2025 bestachen mit weit ausgedehnten Displays der Helligkeit 4.

Eigene Aufnahme aus Oberursel, 24.06.2025, 03:23 MESZ
Abb. 1: NLC-Display am 24.06.2025, 03:23 MESZ. Eigene Aufnahme aus Oberursel-Oberstedten. Weiteres Foto im AKM-Forum

Wie sorgfätig Mitte der 2020er-Jahren auch durchschnittliche Displays von der Vorhersage über die Beobachtung bis zur Analyse im AKM-Forum dokumentiert werden, belegen u.a. die NLCs der Nacht 13./14. Juli 2025.

Bei insgesamt uneinheitlichen Höhenwinden hatte OSWIN am 13.07.2025 in vier recht kurzen Phasen (gegen 7, 9:30, 14 und 19 Uhr MESZ) schwache bis mittelprächtige Echos vor allem aus der Bildungszone oberhalb 84 km empfangen. Da die Höhenwinde am Abend wieder nach Süden zu drehen schienen, lagen die NLC-Chancen für die D/A/CH-Region in der bevorstehenden Nacht mindestens im Bereich des statistischen Erwartungswertes von gut 60%. Weil die Echos weitgehend auf die Bildungszone beschränkt blieben, durfte man eher mit lichtschwachen Displays rechnen. Bei weiter in Südrichtung wehenden Höhenwinden waren Überraschungen im Morgensektor durchaus möglich.
Die eigentliche Überraschung war dann, dass es genau so kam wie prognostiziert, was längst nicht immer der Fall ist.

Video 1: NLC-Aussichten für die Nacht 13./14.07.2025.

Nachträglich stellte sich heraus, dass NLCs in der Nacht 13./14.07.2025 bereits um 00:20 MESZ, also noch vor der dortigen astronomischen Mitternacht, in Rostock nachgewiesen wurden. Die erste Meldung im AKM-Forum kam um 03:26 MESZ von Jørgen K aus Lübbecke. Der Post wurde in den folgenden 30 Minuten als eine Art Liveticker mehrfach ergänzt. Genau in diese halbe Stunde fielen auch die meisten der 13 anderen Beobachtungen, die im gleichen Forumsthread und auf NLCNET gemeldet wurden. Alle sind durch mindestens ein Foto belegt; an 6 Standorten erfolgten Helligkeitsangaben, welche für das Feld sehr einheitlich H.2 oder H. 3 als Maximum nannten. Eine im Nachgang von Simon Herbst durchgeführte Kontrolle zahlreicher Webcams zeigte, dass das morgendliche Display zumindest von hochgelegenen Standorten aus bis in die Südalpen sichtbar war.

NLC-Beobachtungen in der Nacht 13./14.07.2025
Abb. 2: NLC-Beobachtungen in der Nacht 13./14.07.2025. Diese Grafik steht auch als interaktive PDF-Datei zur Verfügung.
Bewölkung über Mitteleuropa am am 14.07.2025 um 03:30 Uhr MESZ
Abb. 3: Bewölkung über Mitteleuropa am am 14.07.2025 um 03:30 Uhr MESZ (Infrarot-Bild)
Quelle: Wetterzentrale.de, lizenziert unter CC BY-NC 4.0

Obwohl insbesondere in der Mitte und im Osten Deutschlands Bewölkung mehr oder weniger störte (Abb. 3), gelangen mit etwas Geduld und mit der Unterstützung automatischer Kameras einige sehr ausführliche Beobachtungen. Die Entwicklung des Displays ist an Hand von Bildreihen (Jørgen K aus Lübbecke) und Zeitraffern (Thorsten Gaulke aus Geseke, Jörg Kaufmann aus Hemmingstedt, Olaf Squarra aus Rostock) gut nachvollziehbar. Der Aufenthaltsraum der Südkante des NLC-Felds im Zeitraum 03:27 MESZ bis 03:46 MESZ lässt sich aus den Angaben zu Azimut und Höhe von Jørgen K aus Lübbecke, von Jörg Kaufmann aus Hemmingstedt und von Carl Herzog aus Idstein) rekonstruieren (Abb. 4). Für seine eigenen Daten hatte letztgenannter diese Analyse bereits bei der Präsentation seines Fotos durchgeführt.

Video 2: Entwicklung des NLC-Displays am Morgen des 14.07.2025; Zeitraffer aus Rostock von Olaf Squarra.
Aufenthaltsraum der Südgrenze des am Morgen des 14.07.2025 beobachteten NLC-Displays
Abb. 4: Aufenthaltsraum der Südgrenze des am Morgen des 14.07.2025 beobachteten NLC-Displays (Beobachtungsort = Idstein). Weitere Erläuterungen im Text.

Nachdem die NLCs bis gegen 04:15 MESZ an mehreren Webcams sichtbar gewesen waren, empfing OSWIN am Morgen des 14.07.2025 ab etwa 7 Uhr MESZ Echos aus NLC-Höhe (etwa 82 bis 84 km), denen bei fast durchweg südwärts gerichteten Höhenwinden ab Mittag weitere teils sehr starke Signale folgten, welche aus der Bildungszone bei 88 km über die NLC-Zone bis in die Auflösungszone bei 80 km reichten.